Mahnwache „Leben retten verboten“ am 26.09.2020

Bild: Susanne Kudies

Andernach. / Neuwied.  Mit einer einstündigen Mahnwache (26.09.2020) vor dem historischen Rathaus der Stadt Andernach erinnerte die Neuwieder Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International daran, dass neben dem bekannten Schicksal der Geflüchteten auf den griechischen Inseln auch zunehmend die Gruppe der hauptsächlich ehrenamtlichen Helfern im Fokus von  juristischen und politischen Maßnahmen der griechischen Regierung stünden und ihnen hierdurch die Arbeit für die Flüchtlinge immer wieder erschwert werde.

So stünden nicht nur die Ärzte und freiwilligen Helfer in den Lagern, sondern auch die Lebensretter auf dem Schiff ‚Juventa‘ unter juristischem Druck durch die Behörden. Gegen 10 ehemalige Besatzungsmitglieder werde inzwischen ermittelt und ihnen drohten hohe Strafen. Die Gruppe Neuwied von Amnesty International setzte deshalb am Samstag Mittag ein Zeichen der  Solidarität mit den Helfern in Griechenland und weltweit und stellte sich mit einer Mahnwache demonstrativ an die Seite der Iuventa Crew und vieler anderer mutiger Menschen, die sich an den Grenzen Europas für die Rechte von Schutzsuchenden einsetzen!

Manfred Kirsch, Mitglied der Neuwieder Menschenrechtsgruppe, beklagte die fehlgeleitete europäische Flüchtlingspolitik und erklärte: „Anstatt Menschen in Not zu helfen, schottet sich Europa immer mehr ab. Kinder, Frauen und Männer stranden an den Grenzen Europas oder ertrinken auf dem Weg dorthin. Es wird immer schwieriger für geflüchtete Menschen Schutz zu finden. Doch wer sich für die Rechte von Flüchtlingen und Migrant_innen einsetzt, gerät schnell ins Fadenkreuz von Ermittler_innen“. Und Menschenrechtsaktivist Haralampos Tsanakidis fügt hinzu: Wenn Ärzte, Sanitäter, Pflegekräfte oder die Feuerwehr Menschenleben retten, erhalten sie Anerkennung und Wertschätzung in unserer Gesellschaft. „Deswegen darf die Rettung von Flüchtlingen kein Verbrechen sein. Denn wer Menschenleben rettet und sich für die Einhaltung der Menschenrechte in den Flüchtlingslagern einsetzt, darf aufgrund dessen nicht bestraft werden; im Gegenteil, die Retter brauchen unsere uneingeschränkte Solidarität und unsere Unterstützung!“ – Inge Rockenfeller, ebenfalls Amnesty – Mitglied, wies darauf hin, dass die Zustände in den Lagern menschenunwürdig seien und deshalb so schnell wie möglich aufgelöst und die Menschen evakuiert werden müssten. Sie forderte von Deutschland eine großzügige Aufnahmezusage für die Flüchtlinge von Moria und anderen Lagern. Gruppensprecherin Susanne Kudies wies auf die Petition von Amnesty ‚Leben retten ist kein Verbrechen!‘ an die Bundeskanzlerin hin. Darin fordere Amnesty International, dass Hilfe für geflüchtete Menschen ausdrücklich erlaubt sein sollte und nicht kriminalisiert werden dürfe. Diese Petition ist für interessierte Leser unter der Web-Adresse der deutschen Sektion von Amnesty International zu finden und kann online unterzeichnet werden –

Fotos Mahnwache „Leben retten verboten“

 

3. Oktober 2020